Mundart in der Kirche: „Helep unges, Vatter, dech verstonn!“

Wenn es in Büttgen heißt „Mer senge on bäene op Büttscher Platt“ (wir singen und beten auf Büttger Platt), ist die neue Aldegundis-Kirche gefüllt wie anderenorts eigentlich nur an Weihnachten oder Ostern! Auch am vergangenen Samstag war die inzwischen zehnte Mundart-Messe außerordentlich gut besucht.


Pfarrer Josef Brans, seit gut einem Jahr zuständig auch für St. Aldegundis, tut sich recht schwer mit der „Büttscher Sproch“, und so assistierte er seinem Amtsvorgänger Pastor Heinz Hintzen lediglich.

Auch in diesem Jahr war die Mundartmesse wieder ein Unikat, und viele Gäste meinten hinterher: „Das dürfte nicht mehr zu übertreffen sein!“ Das Oswald-Ensemble unter der Leitung von „Karajan“ Oswald Schmitz sang feierlich und schön wie ein ganzer Kirchenchor. Gekonnt setzten sie beispielsweise das „Sanktus“, „Kyrie“ und auch das „Salve “ mundartlich um – so richtig lebendig, lebensnah und gar nicht distanziert. In Mundart kann man halt doch vieles ausdrücken, wofür es keine hochdeutschen Worte gibt!

Brigitte Werbitzky, die sich schon lange für den kfd und auch das Brauchtum engagiert, hatte in diesem Jahr zum zweiten Mal den Part als Lektorin übernommen und gefiel ganz besonders in ihren so ganz und gar ehrliche Fürbitten: „Motter Maria, kannste mech net enne richtige Deu jäeve – ever net nur so enne möt em Hönnerkläuken …“ Also einen richtigen „Schubs“ soll die Gottemutter geben!

Michael Rademacher, der „Baas“ vom Mundartstammtisch, bewies in seinen Texten mit viel Feingefühl sein „Kläuken“ für die Sorgen und Nöte der Menschen und bezog sich dabei auch auf die aktuelle Situation im Weltgeschehen. Auf die Melodie des feierlichen „Großer Gott wir loben dich“ heiß es dann beispielsweise: „Herjott, mer send bald am Eng – Üeverall es Nuet op Äede – Nämm unges Vatter bej de Häng – lot unges domöt väedich wäede …“ Gott also solle uns an seine Hand nehmen, damit wir mit der Not der Erde fertig werden können. Und eine Strophe später: „Janze Völker send om Treck – Mösse Huus on Lank verloote – Wä net loope kann de vreck – en de Jöös on op de Stroote …“ Das ganze Flüchtlingselend also überdeutlich und kompakt – und dann die verzweifelte Feststellung: „So dörf dat net wieder jonn – Helep unges, Vatter, dech verstonn!“ Wirklich alle sangen ergriffen mit – viele mit Tränen in den Augen und fast versagender Stimme. Das war eine Messfeier, die keiner so schnell vergessen wird! Und bei so viel Lebendigkeit und Aktualität störte dann auch der mehrfache Applaus für alle Akteure überhaupt nicht!

kim

Kaarster Extratip vom 27.10.2001