Büttger Dorfabend zog 250 Besucher ins Pfarrzentrum
Mundart und ein Knolli-Brandi zum Brötchen
War früher alles besser? Nostalgische Gefühle waren erlaubt beim Büttger Dorfabend, der am Sonntag mit seinem Mammutprogramm rund 250 Besucher ins Pfarrzentrum St. Aldegundis lockte. Büttger Platt gab den Ton an, es wurde sogar von Kindergarten- und Grundschulkindern beherrscht. In der Pause konnte antikes, selbstgebasteltes Spielzeug bewundert werden, und zum Brötchen ließ man sich einen „Knolli-Brandi“ schmecken. Mundart-Stammtisch und St. Sebastianus-Bruderschaft hatten wieder für ein interessantes Programm gesorgt, an dem es wenig auszusetzen gab bis auf die Länge von knapp vier Stunden, die die Aufmerksamkeit der Besucher schon sehr strapazierte. Nicht leicht hatte es gleich zu Beginn Brudermeister Ludger Heintz: Der gebürtige Aachener kriegte sein Grußwort in Büttger Platt aber bestens hin. Der Präsident der Bruderschaft, Norbert Drüeke, der durch das Programm führte, hob lobend hervor, dass sowohl im Katholischen Kindergarten, als auch in der Grundschule offenbar früh Fremsprachen vermittelt werden: Die Kindergartenkinder mit weißen Bäckermützen auf den Köpfen sagten die Mundart-Ausführung von Rolf Zuckowskys „In der Weihnachtsbäckerei“ – den Song hatten Veronika Wöffen-Berle und Christa Sieverdingbeck mit den Kids perfekt eingeübt. Die Kinder der Katholischen Grundschule, überwiegend in nostalgischem Outfit, wussten zu erzählen, wie es früher an „Döbbisch-Eck“, dem Zentrum von Büttgen zuging, und passend dazu bedienten sie sich der Sprache ihrer Großeltern. Cilli Fieten, das Mundart-Urgestein, durfte natürlich auch nicht fehlen: Sie erzählte Geschichten, die das Leben auf dem Land schrieb, Besinnliches, aber auch Amüsantes. Männerchor und Doppelquartettsorgten für Abwechslung durch Musik, da wurde „Jan on Jriet“ gedacht, der „Hönnerhoff-Rock“ zu Gehör gebracht und von der launischen Forelle gesungen. Heinz Töller gab in Reimform eine Liebeserklärung an seinen Heimatort Driesch zum Besten, ließ die Geschichte des Kriegerdenkmals Revue passieren und erinnerte an den Brauch, Dorfbewohnern Beinamen zu geben. Trudis Giessen, Josef Danners und August Demuth plauderten „övver de Wenkterziit“ – Lausbubengeschichten, wie es sie sicherlich nicht nur in Büttgen gibt. Alte Kaufmannsläden und Holzspielzeug verströmten Nostalgie – viele Büttger hatten auf Bitten der Veranstalter altes, selbstgebasteltes Spielzeug mitgebracht. Nein, „Knolli-Brandi“, der in der Pause ausgeschenkt wurde, ist kein Kartoffel- sondern Zuckerrüben-Schnaps. Andreas Müller las Gedichte aus eigener Feder, erzählte unter anderem vom „Kurjaas Scheng“, der kein Fettnäpfchen ausließ und dem der Umgang mit Messer und Gabel wenig geläufig war. Peter Königs predigte Moral mit seinem Gedicht „Datt sibbte Jebot“, in dem es bekanntlich heißt „Du solls net klaue“. Ebenso wie Heinz Töller erinnerte er an den Brauch, Beinamen zu vergeben wie Knocke Theo, Syphons Harry, Kannone Jupp oder Wiäfisch Jummi. Heinz Springhart sang drei Songs – unter anderem eines mit eigenem Text und der Melodie eines irischen Liebesliedes. Natürlich durfte auch das „Büttscher Lied“ nicht fehlen. Josef Danners trug ein Gedicht von Margit Gärtner aus Odenkirchen, jenseits der „Benrather Linie“ vor: „Dat öngischte Schoet“, die unterste Schublade, in der es so manches neu zu entdecken gibt. Zum Schluss kamen alle Akteure auf der Bühne zusammen – die Zuschauer waren zufrieden, aber aufgrund der vorgerückten Stunde schon ein bisschen erschöpft. NGZ vom 28.11.2000 |